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Sturmtief Xavier war gerade dabei Deutschland komplett in Schutt und Asche zu legen als plötzlich die Wohnungstür zugefallen ist. Aber am besten von vorne.

Duschen wäre an diesem Morgen eine schöne Sache gewesen, doch Aufgrund eines Defekts im/am/beim Wassergerät-Ding gab es nur eiskaltes Wasser. Das wollte ich mir nicht antun und es bestand immerhin die Hoffnung am Nachmittag wieder warm duschen zu können. Nach der Arbeit dann der Schlag ins Gesicht. Kein warmes Wasser. Todesmutig habe ich mich dennoch dem Zorn der Warmwasser-Götter gestellt und vorher noch den Gott der Erfrischung angefleht es nicht zu übertreiben aber die Mühe war vergebens. Eine nicht enden wollende Tortur ergoss sich aus Poseidons verchromten Arm der Vergeltung.

Endlich überstanden. Ich war sauber und freute mich auf einen ruhigen Abend. Aus heiterem Himmel erreichte mich die Nachricht, dass meine Freundin auf Grund des alles vernichtenden Sturms nicht mit der S-Bahn nach Hause fahren konnte und gezwungen war mit der U-Bahn die nächstgelegene U-Bahn Station anzusteuern. Überraschenderweise hat der Sturm die U-Bahn verschont. Von der Haltestelle wären es dann nur noch einige Stationen mit dem Bus.

Der Mensch wird zur Bestie

Erzählungen zufolge herrschte an der Bushaltestelle das reinste Chaos. Viel zu viele Menschen wollten in Busse einsteigen, die längst voll waren. Eben noch ein fleißiger Sandwich-Artist bei Subway oder Verkäufer bei Edeka, kam jetzt die dunkle Seite der Menschen zum Vorschein. Personen wurden gegen ihren Willen aus den Bussen gezerrt und, weil es zum guten Ton gehört, natürlich auch mit fliegenden Fäusten gedroht.

Meine Herzensdame entschloss sich den Rest der Strecke zu Fuß zu gehen. Würde ja nur 1,5 Stunden dauern. Geistesgegenwärtig entschied ich sie mit dem Auto abzuholen. Mein Personenkraftwagen würde mich in Windeseile zu ihr bringen, so zumindest die Theorie. Ich zog mir Schuhe an, klemmte mir Jacke, Portmonnaie und Smartphone unter den Arm, schrieb auf dem Weg aus der Wohnung noch schnell „bin in 15 min da“ als das unvorstellbare geschah.

Das Ende ist nah

Die Tür war zu. Ich war draußen, die Schlüssel waren drin. Alles für die Katz. Alle Hoffnungen verflogen. Gezwungen die nächsten 90 Minuten auf den Stufen im Treppenhaus zu verbringen. Immerhin hatte ich ziemlich guten WLAN Empfang… bei 15% Akku. Ich sinnierte eine ganze Weile vor mich hin als ein Geistesblitz meine Denkzentrale aufleuchten ließ. Warum nicht einfach mal einen Online-Blog starten? Davon gibt es eh noch nicht genug und wie sollen die Menschen sonst erfahren was ich so erlebe? Es war glorreich.

Nach 1,5 Stunden Treppensitzen wurde ich schlussendlich erlöst. Ich hatte zwar nichts getan, war dennoch völlig fertig. Mit den Nerven, der Geduld und vor allem mit sitzen. Da musste ich mich erstmal hinsetzen. Ich hoffte einfach, dass nichts mehr passiert.